Mein Leben als MissionarsKind
( 10 Bewertungen )- Kategorie Erzählungen
- Eingestellt im März 2009
- von Tabea Carbonero
Endlich konnte ich mal wieder holzverrauchte Chileluft schnuppern, als ich meine Eltern in Temuco besuchte.
In ein paar Stunden sitze ich im Flugzeug zurück nach Deutschland und bereite mich mental schon auf mein anderes Leben dort vor, etwas, was mir jedesmal notwendig erscheint: Schweigen in den Straßenbahnen, anstrengender Job, Handschlag oder Umarmungen beim Begrüßen, Sprudel anstatt Cola.
Manchmal verzweifle ich an meiner Reiselust, an meiner Notwendigkeit, nach Chile zu müssen, wie ich auch nach Deutschland müsste, wenn ich in Chile wäre.
Oft ist es auch so, dass ich mein Chilenischsein vergesse, weil ich so sehr in meinem deutschen Leben vertieft bin. Ja, recht seltsam finde ich das auch.
Um meine hin und her – Story nicht immer erzählen zu müssen, sage ich immer, ich bin Deutsche, wenn man mich fragt. Stimmt ja auch. Manchmal zumindest.
Nur weil ich den chilenischen Pass nicht habe, bin ich noch lange nicht nur Deutsch. Also sage ich es, wie es gerade passt. In Spanien bin ich halt Chilenin.
Manchmal empfinde ich es als Problem, MK zu sein, so ein innerliches Zerreißen. Und manchmal habe ich damit gar kein Problem und fühle mich Pudelwohl.
Ich mag es nicht, wenn man uns MKs als eine Art privilegierte Wunderkinder sieht, oder auf eine supersensible Art psychologisch betätschelt werden, genau wie es überflüssig ist, aus einem MK gleich einen Christen oder späteren Missionar sieht, was natürlich wünschenswert wäre.
Wir haben Vor- und Nachteile, und kennen sie ganz genau. Wir sprechen mehrere Sprachen, kennen mehrere Kulturen, können uns schnell anpassen, haben Freunde auf der ganzen Welt, sind Weltweit interessiert,
haben aber auch nicht immer Lust, neues Anzugehen, weil es vielleicht bald wieder zuende geht. Oder „müssen“ manchmal eben einfach wieder „zurück“. Zurück nach Hause. Nach Hause... Ja... Wo ist das Zuhause?
Ein weiteres hochkompliziertes, in internen Kreisen allzeitdiskutiertes, MK-Thema. Ist mein Zu Hause im Land A der Eltern oder B das Missionsland oder in den schlimmsten Fällen noch C oder D, wo ich zur Schule gehe, wo die Mission ist, usw.?
Letztendlich weiss es keiner von uns so genau.
Aber insgeheim wünschen wir uns alle das Gleiche:
Ein Land, indem alle guten Eigenschaften der Länder, die wir kennen, oder die Menschen, die wir lieben, zusammen sind.
Und wir hoffen, dass so der Himmel sein wird.
Und wir wissen, dass er sogar besser wird.
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