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Wenn Leo erzählt, Leseprobe 3

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Hopsing feiert Geburtstag

Der kommende Freitag war ein kalter und trüber Herbsttag. Daniel freute sich schon auf sein weiches, kuscheliges Bett und auf Leos Geschichte. Als Leo Punkt sieben Uhr kam musste Daniel lachen. Leo hatte einen dicken Schal um seinen Hals und eine komische Wollpudelmütze auf dem Kopf.

„Aber Leo, wie siehst Du denn aus?"

„Hallo Daniel! Ich komme gerade von Hopsing. Stell Dir vor, bei dem schneit es schon!“

„Was hast Du dort gemacht?“

„Hopsing hatte gestern Geburtstag. Er hat alle seine Freunde eingeladen. Es war ein tolles Fest.“

„Wer war denn alles da?“

„Also, lass mich mal überlegen! Da waren Kleinhoppelgrün, der Junghase, Henne Hulda und Hahn Gackel, das Kücken Pipsel, die beiden Stoffhunde Marie und Lassie, das Spechtpaar Klopfer und Klara, das Stoffpferd Blanca, Buddel, der Maulwurf, Obermuh, die Leitkuh aus Kuhbach, die Möwe Mathilde und sogar der Affenkönig Klammerfest.“

„Und Panzer? War der nicht eingeladen?“

„Doch. Aber er konnte nicht kommen. Er hatte Heuschnupfen und Durchfall.“

„War Hopsing da nicht sehr traurig?“

„Ich glaube nicht. Wer weiß, was Panzer wieder alles kaputt gemacht hätte?“

„Wie war die Geburtstagsfeier?“

„Zuerst haben wir gesungen, Du weisst ja, ‚häppi börsdei tu ju’. Dann haben wir Hopsing hochleben lassen. Klammerfest hat es ein wenig übertrieben. Der Affe hat einfach zu viel Kraft.“

„Warum? Was ist passiert?“

„Klammerfest schleuderte Hopsing beim dritten Hochleben an die Decke der Wohnhöhle, dass es nur so krachte. Hopsing fiel halb bewusstlos auf den Boden und mit ihm ein Teil der Zimmerdecke. Klara, die mit ihrem Mann Klopfer über Hopsings Höhle in dem alten Baum wohnt, stieß einen Schrei aus. Sie hatte Angst, dass der morsche Baum zusammenstürzen und ihre Wohnung für immer zerstören würde. Seit dem Schlag steht der Baum tatsächlich ein wenig schief, obwohl Klammerfest behauptet, dass das nicht seine Schuld sei, sondern dass die Schieflage von Panzer käme, der ein paar Wochen vorher gegen den Baum gerannt war. Es kann schon sein, dass Klammerfest Recht hat. Aber allen Gästen fiel die Schräglage des Baumes jetzt erst auf.“

„Wie ging das Fest weiter, Leo?“

„Danach aßen wir uns an der Geburtstagstorte und vielen Süßigkeiten satt.“

„Bitte, Leo, erzähle mir, was das für gute Sachen waren. Oh, ich bekomme schon richtig Hunger, wenn ich nur daran denke.“

„Na ja, weißt Du, Daniel. Wir waren doch bei Hopsing eingeladen. Da wird alles aus ...“

„Sag bloß, alles war aus Karotten?“

„Richtig, Daniel. Karottentorte, Karottenplätzchen, Karottentee, Karottenkaffee, Karottensaft, gezuckerte Karotten, Karotten mit Marzipan.“

„Hör auf, Leo! Mir wird ganz schwindelig! Und Du sagst, Ihr habt Euch daran sattgegessen?“

„Na ja, sattgegessen schon. Jedenfalls waren wir sehr schnell satt. Hopsing wunderte sich, dass so viel übrig blieb. Aber er schien gar nicht böse zu sein. So hat er Vorräte für lange Zeit.“

„Was habt Ihr danach gemacht?“

„Wir gingen aus Hopsings Wohnung und bauten ein Iglu, ein Haus aus Schnee in seinem Garten. Danach machten wir eine Schneeballschlacht.“

„Das muss toll gewesen sein! Ich wäre so gerne dabei gewesen!“ seufzte Daniel.

„Na, so toll war das auch wieder nicht. Klammerfest brachte alles durcheinander. Während wir das Iglu bauten zog er dauernd die Obermuh am Schwanz. Die versuchte, ihn mit ihren Hörnern aufzuspießen. Da sprang er auf den Baum und bewarf uns von dort oben mit Schneebällen. Dann ging er in die Wohnung der Spechte und warf deren gesamten Wintervorrat vom Baum hinunter in den Garten. Als wir ihn deswegen schimpften nahm er Lassie, Marie und Blanca und kletterte mit ihnen auf den höchsten Ast des Baumes. Dann drohte er, die drei Kuscheltiere herunterzuwerfen, wenn wir ihm nicht sofort etwas Anständiges zu essen geben würden. Hopsing sagte zu Klammerfest, dass es in seiner Höhle noch genügend Geburtstagstorte gäbe. Klammerfest antwortete, dass er etwas Richtiges brauche, kein Karottenzeugs. Daraufhin war Hopsing so sauer, dass er uns alle aus seinem Garten warf. Klammerfest schmiss die Schmusetiere dann doch noch vom Baum herab. Das hat ihnen aber nicht geschadet. Sie wurden nur ein bisschen schmutzig.“

„Dann war das Geburtstagsfest schon zu Ende?“

„Ja, wir standen alle auf der Straße. Obermuh lud uns nach Kuhbach ein. Sie meinte, dort gebe es ein tolles Essen für uns alle.“

„Ihr seid dann alle nach Kuhbach gegangen?“

„Ja, aber das war ein großer Fehler. In Kuhbach brachte uns Obermuh zu ihrer Familie. Die Kühe machten ein schnelles Essen für uns. Es gab Graskuchen mit Grasssalat und Kleegemüse. Danach tranken wir grünen Tee und aßen getrocknete Heubisquits. Es war schrecklich. Nur Blanca griff ordenlich zu. Aber die ist ja auch ein Pferd. Klammerfest wurde so wütend als er das ganze Gras- und Heuzeugs sah, dass er drei Kühen die Schwänze zusammenband. Die haben vielleicht geschrien.“

„Die Armen! Hat er sie wieder befreit?“

„Aber nein, er dachte gar nicht daran. Ich glaube die laufen jetzt noch im Kreis. Aber lass mich weiter berichten. Mit knurrendem Magen ging ich mit den anderen wieder aus Kuhbach fort. Plötzlich sagte Hulda, dass sie und Gackel, ihr Mann, uns zum Essen zu sich in den Hühnerstall einladen wollten. Wir übrigen sahen uns an und Klammerfest sagte, dass es ja nicht noch schlimmer werden könnte. So gingen wir alle zu Gackel und Hulda. Stell Dir vor was die uns vorsetzten, Körner, Körner und nochmals Körner. Das war doch das Allerletzte. Dann hatte ausgerechnet Mathilde, die Möwe, eine tolle Idee. Du weißt, dass Möwen gerne die Nester anderer Vögel ausrauben und deren Eier fressen. Mathilde schlug also vor, dass wir alle Eier im Hühnerstall zusammensammeln und davon ein richtiges Essen machen sollten. Gackel und Hulda protestierten natürlich. Doch es half ihnen nichts. Wir anderen überstimmten sie. Wir fanden über vierzig Eier im Stall. Dann ging es ans Kochen und backen. Endlich war ein tolles Essen fertig. Es gab Omelette und danach Eierkuchen. So wurden am Schluss doch fast alle satt, außer Gockel und Hulda. Die beiden essen aus Prinzip keine Hühnereier. Das kann man ja auch verstehen.“

„Das war aber ein aufregendes Geburtstagsfest, lieber Leo. Aber weißt Du, Eierkuchen mag ich auch nicht besonders. Ich bin froh, dass ich bei Hopsings Fest nicht dabei war und auch nicht in Kuhbach und im Hühnerstall. Ich freue mich auf meinen eigenen Geburtstag. Da gibt es lauter feine Sachen aus dem Einkaufsladen.“

„Lädst Du mich dazu ein, lieber Daniel?“

„Aber natürlich, lieber Leo! Du bist doch mein bester Freund!“

Daniel lächelte Leo zu. Der gab ihm einen Gutenachtkuss und verschwand durch das Fenster. Sein langer Schal wehte noch kurz im Wind bevor er in der kalten Nacht verschwunden war.

 



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